Digitale Souveränität die Erste

Jetzt habe ich im Überblicksbeitrag doch etwas mehr zum Thema Digitale Souveränität geschrieben, als ursprünglich geplant. Vielleicht haben Euch die Denkanstöße aus dem Post ein wenig beschäftigt und Ihr fangt an, Euer Nutzungsverhalten zu beobachten oder zu hinterfragen. Doch dann kommt zwangsläufig die Frage, welche Alternativen habe ich denn eigentlich? Deswegen soll dieser und der nächste Beitrag noch einmal ausführlicher darauf eingehen.

Hier nochmal der Warnhinweis vom letzten Mal, wenn Ihr Euer Nutzungsverhalten ändern wollt oder gewisse Dienste kritischer seht, dann macht Euch darauf gefasst, dass Ihr mehr Aufwand haben werdet! Ihr müsst aber auch bereit sein in gewissen Bereichen auf Helferlein oder zumindest auf Bequemlichkeit zu verzichten.

Eine gute Anlaufstelle für datenschutzrechtliche Bedenken ist der gemeinnützige Verein noyb (none of your business/noyb.eu), der von dem Juristen Max Schrems in Wien gegründet wurde. Schrems hatte vor ein paar Jahren angefangen von Facebook Auskunft über die über ihn gespeicherten Daten zu verlangen und wo diese gespeichert werden. Das ging dann bis zum europäischen Gerichtshof und führte zur Aufkündigung des damaligen Datentransferabkommens zwischen Europa und den USA. Mehr dazu in einem späteren Post. Auf der Vereinsseite gibt es einige interessante Informationen zu dieser Thematik und Einblick in die laufenden Verfahren gegen Apple, Google, Facebook und Whatsapp.

Zum Thema Shopping: Ich habe mir angewöhnt so viel wie möglich lokal zu kaufen. Ich möchte nicht, dass in ein paar Jahren in unseren Städten nur noch Paketboxen stehen, weil alle stationären Läden dicht gemacht haben. Dieses Einkaufverhalten ist definitiv zeitaufwändiger, aber man kann auch mal stöbern, Sachen anfassen, probieren und ist draußen und nicht allein vorm Bildschirm. Zudem kaufe ich generell nicht sehr oft ein und nur das was ich wirklich brauche, deswegen fällt mir die Umstellung wahrscheinlich auch etwas leichter. Braucht man etwas sehr spezielles, gibt es im Internet zahlreiche (auch kleine) Shops, die nicht nur stationär, sondern auch online vertreiben. Ich weiß, dass der Charme von Amazon ist, alles auf einer Seite bekommen zu können. Aber es gibt eben auch die Skandale um die Arbeitsbedingungen, Berichte über das unfaire Verhalten gegenüber Gewerbetreibenden auf dem Market Place (siehe z.B. die Doku von Zdf Zoom vom 7.12.2017 oder dieser Artikel von Spiegel über die Aktivität des Kartellamts in diesem Zusammenhang). Dazu kommt noch die umfangreiche Auswertung unserer privaten Nutzungsdaten (Nicht nur durch Amazon Echo), die dazu führt, dass ich diese Firma nicht mehr unterstützen möchte. Bestätigt habe ich mich darin gefühlt, als ich versucht habe meinen Account zu löschen und mich dafür in einem Chat rechtfertigen musste; merkwürdig, wo doch der Kunde König sein soll.

Kurz gesagt: Es gibt einige Alternativen. Im Buchbereich: Hugendubel, Thalia, Mayersche, Dussmann für online und zahlreiche kleine Buchhandlungen um die Ecke und teilweise auch online. Für Elektrosachen einfach die Suchmaschine befragen. Kleider und Essen vor Ort. Man muss es nur finden (wollen) und auch nicht immer alles sofort brauchen (wollen).

Apropos Suchmaschine. Es gibt eine gute niederländische Suchmaschine (startpage.com), die das Suchverhalten nicht trackt und über Proxys (andere Computer/Server) Zugang zu den Google-Ergebnissen erhält. Ihr bleibt Google also unbekannt. Ähnlich funktioniert der Anbieter duckduckgo.com, wobei ich persönlich Startpage bevorzuge.

Zum Thema Social Media: Ich nutze keine, deswegen kann ich schlecht Tipps geben, diese weniger zu nutzen. Ich war eine Zeit lang bei Facebook und anderen Diensten (bis vor 4 Jahren) und hatte mir da angewöhnt nur 1-2 wöchentlich online zu sein. Nachdem sich auch dort der Abmeldeprozess als unglaublich kundenunfreundlich herausgestellt hat (versteckt in zehn Untermenüs und dann keine Löschung, sondern nur Deaktivierung) und Facebook sich selbst das Recht einräumt, sämtliche hochgeladenen Inhalte von Euch verwerten zu können, war diese Firma also auch auf meiner persönlichen Blacklist. Aus diesem Grund nutze ich auch keine der Tochterfirmen (u.a. Whatsapp oder Instagram).

Das ist vielleicht die größte Einschränkung, weil viele Menschen nicht verstehen, warum ich keinen gängigen Messenger nutze, sondern nur Telefon, Email und SMS, für die, die kein Matrix haben . Da wird der Kontakt zu manchen dann schon weniger oder fällt komplett weg. Also wie gesagt, keiner muss in der Hinsicht so radikal sein, wie ich. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass man mit Menschen, bei denen wirklich Interesse am gegenseitigen Kontakt besteht auch über klassische Kanäle in Kontakt bleibt. Und dann höre ich mich lieber seltener und dafür ausführlich, als alle paar Minuten Mini-Nachrichten zu bekommen. Das ist sicherlich eine Geschmackssache, aber für mich gehört zu guter Kommunikation eben auch Zeit, die man dem anderen schenkt und dadurch seine Wertschätzung zeigt. Deswegen finde ich Handys auf dem Tisch beim gemeinsamen Treffen auch maximal unhöflich. Insgesamt ist meine Erfahrung, dass man sich erheblich freier von den Social-Media Diensten macht, wenn man fixe Nutzungszeiten für sich selbst definiert und diese dann auch wirklich einhält. Also etwa ein oder zweitäglich 20 Minuten und nicht mehr. Aber auch das muss jeder für sich persönlich ausprobieren bzw. teilweise kann man es – etwa aus beruflichen Gründen – gar nicht nur in Slots nutzen.

Eine gute Möglichkeit, um trotz der Nutzung von Messengerdiensten eine gewisse Souveränität zu erhalten ist, meiner Meinung nach, das entsprechende Erwartungsmanagement gegenüber den Bekannten. Das heißt, sich zu überlegen, was man über diese Dienste teilt (Bilder/Videos und wie viele) und wie schnell man antwortet. Dazu kann auch gehören, nicht die ganze Zeit online zu sein. Wenn man das länger so handhabt, dann lässt der Druck nach, ständig kontrollieren und antworten zu müssen. So bekommt man wieder mehr Autonomie über seine Zeit. Und wenn etwas wirklich dringend sein sollte, dann soll derjenige anrufen. Das ging ja früher auch. Durch diese Herangehensweise merkt man schnell, dass viele angebliche so dringende Sachen in Wirklichkeit gar nicht so dringend sind. Aber natürlich fällt das gerade am Anfang schwer, da man darauf geprägt ist, neugierig zu sein. Mit der Zeit werdet Ihr aber merken, wie viel Zeit Ihr gewinnt, die Ihr dann für andere Sachen nutzen könnt.

Aber auch Zeit haben kann anfangs schwer sein. Schließlich haben wir uns angewöhnt von Fernseher/Handy/PC beschallt/unterhalten zu werden und wissen gar nicht mehr, wie man sonst seine Zeit verbringen könnte; da kommen Hobbys ins Spiel und natürlich die Natur.

In diesem Sinne: Versucht Alternativen gezielt zu suchen und das Erwartungsmanagement in dieser schnelllebigen Kommunikationsgesellschaft etwas in Richtung Verlangsamung hin zu entwickeln.

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